Gabicce Mare
Die Legende von Valbruna
Valbruna ist die versunkene römische Stadt, die eine alte Legende im Meer vor Gabicce Mare in der Bucht von Vallugola verortet. Das Ente Parco del Monte San Bartolo nennt sie auch das „Atlantis der Adria“. Eine Stadt wurde nie gefunden: 1990 stellten Tauchgänge der Soprintendenza archeologica delle Marche fest, dass die regelmäßigen Formen auf dem Meeresgrund natürliche Felsplatten sind, die „serre“. In Vallugola ist hingegen ein Anlegeplatz aus römischer Zeit belegt.
Was die Legende erzählt
Nach der vom Ente Parco wiedergegebenen Version soll unter dem Wasser von Vallugola eine ganze römische Stadt liegen. Archäologen und Taucher hätten jahrelang erfolglos nach ihr gesucht. Noch heute erzählen manche, an besonders klaren Tagen Häuser, Straßen, Säulen und Tempel erkennen zu können.
Der von der Assemblea legislativa delle Marche mit Beschluss Nr. 152 vom 2. Februar 2010 genehmigte Piano del Parco naturale regionale del Monte San Bartolo beginnt die Geschichte des Gebiets mit Valbruna. Er bezeichnet sie als literarischen Mythos, als Legende, für die trotz der Forschungsfortschritte noch keine Grundlage gefunden wurde.
Der Name blieb als Ortsbezeichnung erhalten: In Gabicce Monte gibt es die Piazza Valbruna.
Was in Vallugola belegt ist
Die 2019 von der Soprintendenza delle Marche für das Ministero della Cultura erstellten Einträge im Catalogo generale dei beni culturali beschreiben in Vallugola einen Anlegeplatz aus römischer, möglicherweise älterer Zeit, vermutlich mit Speichern. Im selben Gebiet bestand eine ländliche römische Siedlung mit Brennöfen und Gräberfeld. Ältere Feuersteine und Keramik belegen eine Nutzung bereits in der Jungsteinzeit und Kupfersteinzeit.
Der Hafen blieb lange in Gebrauch. Laut Piano del Parco diente er bis ins 18. Jahrhundert dem Weinhandel. Spätere Erdrutsche und Hangbewegungen veränderten seine Form vollständig.
| Jahr | Fund oder Ereignis | Quelle |
|---|---|---|
| 1615 | Zwei große Vorratsgefäße in Vallugola entdeckt | Ministero della Cultura, Catalogo generale, 2019 |
| 18. Jahrhundert | Annibale degli Abbati Olivieri berichtet von antiken Gebäuden und Vorratsgefäßen | Ministero della Cultura, Catalogo generale, 2019 |
| 1962 | Ein Sporttaucher meldet der Soprintendenza zylindrische Steinfragmente und ein mögliches Kapitell in 3-5 m Tiefe vor Gabicce | Archiv der Soprintendenza, zitiert in der Dissertation der Università di Macerata, 2026 |
| 1967 | Feuersteine, eine Pfeilspitze und grobe Keramik in der Bucht von Vallugola | Ministero della Cultura, Catalogo generale, 2019 |
| 1989 | Fragmente einer römischen Amphore am 18. Mai aus der Bucht geborgen | Dissertation der Università di Macerata, 2026 |
| 1990 | Tauchgänge der Soprintendenza: Die Formationen am Meeresgrund sind natürliche Felsplatten, die Serre | Dissertation der Università di Macerata, 2026 |
| 2010 | Der Piano del Parco bezeichnet Valbruna als literarischen Mythos ohne Grundlage | Regione Marche, Beschluss Nr. 152/2010 |
| 2019 | Die Katalogeinträge deuten die vermeintlichen versunkenen Mauern als Serre | Ministero della Cultura, Catalogo generale, 2019 |
Die Tauchgänge von 1990 und die Serre
Seit 1962 gab es Meldungen zum Meer vor Gabicce, die mit der Legende einer versunkenen Stadt verbunden wurden. 1990 begann die Soprintendenza archeologica delle Marche eine Unterwasseruntersuchung an der nördlichen Küste der Region. Eines der drei untersuchten Gebiete war der Abschnitt zwischen Vallugola und Cattolica.
Die Tauchgänge zeigten, dass die ungewöhnlich wirkenden Kalksteinformationen natürliche Felsplatten sind, die Serre genannt werden. Bei ruhigem Meer sind sie auch von Gabicce Monte aus zu sehen. Die Katalogeinträge von 2019 kommen für die großen Kaimauern, die einige Forscher in geringer Tiefe vor der Bucht vermutet hatten, zum selben Schluss.
Die geologische Erklärung betrifft die Küste. Laut einer Dissertation der Università di Macerata von 2026, die ältere geologische Studien aufgreift, wich die Küstenlinie in diesem Abschnitt in den letzten 5.000 Jahren um 1.000-1.500 Meter zurück. Die Erosion begünstigte Legenden über versunkene Siedlungen. Dieselbe Arbeit lässt zwei Fragen offen: Ein alter, später vom Meer zerstörter Anlegeplatz bleibt möglich. Die Fotografien der Meldung von 1962, die antike Architekturteile zu zeigen scheinen, warten weiterhin auf eine Untersuchung vor Ort.
Die Schauplätze der Legende
Von der Aussichtsterrasse in Gabicce Monte sind der Meeresabschnitt der Legende und bei ruhigem Wasser die Serre zu sehen. Die Bucht von Vallugola ist eine natürliche Einbuchtung zwischen den Landzungen von Gabicce und Casteldimezzo mit Strand aus Kies und kleinem Yachthafen. Zu Fuß führt auch der Sentiero Ripe di Casteldimezzo dorthin, der im Mai die Ginsterblüte entlang der Steilküste durchquert.
Im kleinen Hafen von Vallugola und nahe seiner Ostmole ist Baden verboten. Im Gemeindeabschnitt von Gabicce Mare vom Hafen Vallugola bis kurz hinter die Punta di Gabicce verbietet die Badesicherheitsverordnung 2026 der Capitaneria di porto di Pesaro das Baden innerhalb von 50 Metern vom Ufer unter der instabilen Steilküste.
Das Regolamento del Parco verbietet im gesamten Gebiet die Mitnahme von Gestein, Fossilien und archäologischen Funden sowie an den Stränden von Strandmaterial. Cogoli, die runden Kiesel der Küste, dürfen nur in kleinen Mengen zu Bildungszwecken und mit Genehmigung des Ente Parco gesammelt werden. Archäologische Funde müssen der Soprintendenza gemeldet werden.
Weitere Wege auf der Landzunge, Gabicce Monte und die Dörfer des Parks stehen unter Ausflüge ab Gabicce Mare. Hinter Vallugola in Richtung Pesaro erreicht die Route Fiorenzuola di Focara mit seinem Strand unter der Steilküste.
Quellen: Ente Parco naturale regionale del Monte San Bartolo, Seiten „Spiagge“ und „Luoghi di interesse naturalistico“ sowie Regolamento del Parco (2015), Art. 16, 59 und 85; Regione Marche, Beschluss der Assemblea legislativa Nr. 152 vom 2. Februar 2010 (Piano del Parco); Ministero della Cultura, Catalogo generale dei beni culturali, Einträge 1100370926 und 1100370935 (2019); Università di Macerata, Dissertation „Il paesaggio archeologico marittimo marchigiano in età romana“ (2026); Capitaneria di porto di Pesaro, ordinanza di sicurezza balneare n. 14/2026; Regione Marche, Portal letsmarche.it; abgerufen am 10. Oktober 2026.